Our Vietnam – Phú Quốc

Wir sitzen auf einer vollen Fähre, die uns zu unserem nächsten Ort bringt. Eine Insel im Süden vor Kambodscha. Drin läuft ein schlecht synchronisierter Film und es stickig, daher gehen wir raus. Es ist unglaublich windig, da wir sehr schnell fahren. Ich versuche Fotos zu machen und werde daraufhin natürlich gleich angesprochen.

Auf der Fähre nach Phu Quoc Auf der Fähre nach Phu QuocII

Ich halte meine Kamera gut fest aus Angst eine zu große Welle könnte sie mir entreißen. Wir fahren so schnell, dass wir nach kurzer Zeit da sind. Nun müssen wir noch eine Schlafmöglichkeit finden. Leider gab es keine passenden Couchsurfer für uns, so dass wir uns zwei Hostels aufgeschrieben haben. Diese erreichen wir aber nie, da der Taxifahrer uns da nicht hinfahren will. Wir diskutieren , geben aber schließlich nach und lassen uns zu einem im Vergleich billiges Hotel bringen. Immerhin sind wir hier direkt am Meer und haben ein kleines Bungalow nur für uns. Wir gehen erst einmal baden im kaum salzigem Meer. Es tut so gut. Die Wellen sind hoch, aber nicht gefährlich, das Wetter ist fast zu wild zum baden, so dass wir die einzigen im Wasser sind. Wir lachen und kichern und endlich fühle ich mich richtig angekommen.

Bungalows auf Phu Quoc Island Unser Bungalow

Unser Zimmer sieht auf dem ersten Blick ganz schön aus. Wir haben sogar zwei Hängematten im Eingangsbereich, doch die Freude hält nicht lang. Ein großer Sturm mit viel Regen zieht über Nacht auf, wir liegen in den Betten und es tropft überall, dicke schwarze Spinnen an den Wänden, denn anscheinend wollen sie auch nicht nass werden. In unser Bett, auf unsere Sachen, überall ist es nass. Ich liege in der Embryohaltung im Bett und friere ein wenig, versuche aufzupassen, dass nicht zu viel Wasser auf mich tropft.

Nächsten Morgen sehen wir, dass es nicht nur ein paar Tropfen waren, sondern dass riesige Pfützen auf dem Boden verteilt sind.  Eine zweite Nacht halten wir noch da aus, dann ziehen wir endlich um in ein neues Bungalow.

Wir lesen viel, es gibt ein kleines Regal mit Büchern, sogar Deutschen, so dass wir noch genug Nachschub haben. Außerdem schlafen wir viel, denn das Wetter wird immer ungemütlicher, inzwischen zu stürmisch und kalt zum baden und leider grenzen wir an keine richtige Stadt an, die wir uns anschauen könnten. Nach dem dritten oder vierten Tag ist es zu viel Langeweile, so dass wir auf die glorreiche Idee kommen einen Roller zu mieten.

Gesagt, getan. Führerschein brauchen sie nicht sehen, es genügt einmal hoch und runter zu fahren und schon geht es los. Leider nur für eine kurze Zeit, da es wieder heftig anfängt zu schütten. Ah, dieser Regen. Zum Glück sind wir in der nächstgelegenen Stadt namens Dương Đông, so dass wir schnell unseren Roller parken und uns zum Schutz in einen Straßenrestaurant flüchten. Wir bestellen eine Suppe. Sie schmeckt widerlich. Das erste vietnamesische Essen, welches uns nicht schmeckt. Wir versuchen höflich zu sein und einige Löffel zu essen, außerdem wärmt sie schön, denn der Regen macht die Luft sehr kalt. Wir sitzen lange da und überlegen was wir nun machen sollen. Wieder umkehren, um sich beim Bungalow wieder zu langweilen, ist keine Alternative. Weiterfahren in diesem starken Regen auch nicht. Wir sitzen und sitzen auf diesen kleinen ungemütlichen Plastikstühlen, als plötzlich eine alte Frau mit einem großen Wagen voll mit Zeug vorbei kommt. Er sieht groß und schwer aus und es dauert lange. Wir schauen ihr zu. Sie ist schon fast aus unserem Blickfeld verschwunden, da fällt uns ein, dass wir bei dieser Frau bestimmt auch so Regencapes kaufen könnten, wie sie die Vietnamesen beim Rollerfahren oft tragen. Also rennen wir der Frau schnell hinterher und kaufen die billigsten Capes.

Zum Glück hat der Regen etwas aufgehört, so dass wir uns halb nass, aber geschützt durch das Cape, weiter machen. Ich bleibe trocken, aber friere. Setze Laura’s Sonnebrille auf um durch die vielen fliegenden Regentropfen etwas sehen zu können. Die Straße ist gut und sehr leer, so dass wir relativ schnell fahren können.

Die Landschaft zieht an uns vorbei, wir sehen Kinder spielen, Rinder, die auf der Straße stehen und kleine Hütten, die Flaschen voll Benzin verkaufen. Doch die Straße hört auf einmal auf und die Straße wird immer ländlicher und schwieriger zu befahren.

Dresscode auf dem Roller Schlammwege Rutschige Brücken Matschige Wege überall

Irgendwann besteht der Boden nur noch aus Schlamm, der immer schlimmer wird, da er durch den vielen Regen immer mehr aufweicht. Wir stehen vor einer kleinen Brücke. Ich habe Angst, will da auf keinen Fall drüber. Wie soll ich denn bitte einen Roller mit zwei Personen über so eine kleine rutschige Brücke lenken? Wir haben Zuschauer und mir bleibt nichts anderes übrig, denn das ist der einzige Weg.

Natürlich schaffen wir es und ich fühle mich, als hätte ich gerade den Himalaya bestiegen. Doch das war noch gar nichts zu dem, was noch kommen sollte. Uns wurde empfohlen gen Norden zu fahren, da dort die Strände viel weniger besucht sind, als im Süden. Also ist unser Ziel eine kleine Rundreise im Norden der Insel zu machen. Wir haben eine Karte mit eingezeichneten Weg mit. Doch sie ist sehr ungenau und je öfter wir sie raus holen, um so mehr geht sie durch den Regen kaputt.

Unsere Geschwindigkeit einst um die 50 km/h, gilt jetzt eher einem Schneckentempo. Ich will am liebsten absteigen und schieben, doch das geht nicht, denn überall sind riesige Schlaglöcher voll mit Wasser oder knöcheltiefer Schlamm.

Der Roller rutscht hin und her. Die Schuhe haben wir inzwischen ausgezogen und versuchen barfuß gegen zu halten. Immer wieder schreie ich auf. Vor Panik, weil ich verzweifelt nicht weiß wie wir weiter kommen sollen.  Vor Freude, wenn wir wieder ein Stück geschafft haben. Immer wieder sage ich zu Laura, dass ich nicht mehr will, dass es nicht mehr weiter geht. Doch es geht. Wir sind zum Glück die einzigen auf dieser Straße, die man eigentlich nicht Straße nennen kann. Wenn dann mal ein Rollerfahrer kommt, ist er in Nullkommanichts wieder weg. Ich frage mich wie sie das schaffen ohne komplett auszurutschen und mit dem Roller in der roten aufgeweichten Erde zu liegen.

Strände sehen wir. Viele. Tolle. Strände. Wir ziehen die klebrigen Regencapes aus , halten unsere dreckigen Füße ins Wasser und versuchen den Anblick zu genießen. Doch eine Melancholie liegt in der Luft. Wir vergessen irgendwann, dass der Weg das Ziel ist und fahren und fahren ohne Anzuhalten. Wir suchen verzweifelt das bessere Wetter, welches wir natürlich nicht finden an diesem Tag.

Verlassene Strände

Nach gefühlten Stunden voll mit Adrenalin finden wir ganz im Norden der Insel ein Restaurant direkt am Wasser. Wir sind die einzigen Gäste. Es gibt Hängematten, wir genießen die Ruhe und tanken neue Energie für den zweiten Teil der Strecke.

Wir finden uns in kleinen Dörfern wieder, wo wir mit Händen und Füßen versuchen nach dem Weg zu fragen und landen im Dschungel bzw. im Regenwald. Ein Wahnsinnsausblick. Laura überredet mich anzuhalten und diese Szenerie noch besser zu genießen. Es ist allmählich ein wenig am dämmern und wirkt durch die dichten dunklen Blättern noch dunkler. Es ist ganz leise, nur von weiten hört man irgendeinen Motor. Nein, eigentlich stimmt das nicht, wenn man die Augen schließt hört man jeden einzelnen Regentropfen auf den Blättern tanzen. Wir stehen am Straßenrand und lauschen. Ich werde diesen Moment nie vergessen. Leider ist der Akku der Kamera leer, so dass wir kein Foto machen können.

Wir haben Angst nicht vor Dunkelheit wieder auf festem Weg zu sein, auf Wegen, die in der Karte eingezeichnet ist. Wir bekommen Panik und fühlen uns komplett verloren. Doch plötzlich, ganz schnell ändert der kleine Pfad zu der großen Schnellstraße von der wir gekommen sind. Die Erleichterung ist so groß, wir jubeln, schreien und lachen laut voller Freude. Wir haben es geschafft. Wir kommen wieder sicher nach Hause. Solch ein tolles Abenteuer, machte die Reise auf die Insel allemal wert.

****

Um das Abenteueregfühl weiter zu genießen, machen wir am nächsten Tag eine Bootsfahrt inklusive Besuch eines alten Gefängnis, einer Perlenfarm, einer der schönsten Strände auf der Insel und einer Reiswein- und Fischölfabrik.

Wir sitzen auf dem Boot und sollen fischen. Einige fangen wirklich ein oder zwei Fische. Ich sehe sie da liegen, kurz vorm sterben und bringe es nicht über das Herz meine Angel weiter ins Wasser zu halten. Wir lächerlich, da ich doch genau weiß, dass wir später unter anderem Fisch zu Mittag bekommen und auch essen werden.

Bunte Boote Essen wir vorbereitet

Wir ankern vor einem Riff und gehen schnorcheln, essen alle gemeinsam an einem Tisch zu Essen, wir sind die einzigen Europäer. Wir stehen oben auf dem Deck und lassen uns durch den Wind und die Wellen herum wirbeln. Wir haben viel Spaß, lachen und genießen diesen Tag im besonderen.

Wind? Wo?! Cool girl! beautiful beach just laying in salty water

Nach einigen Tagen der Langeweile, einigen Tagen voller Adrenalin fliegen wir weiter nach Hanoi. Davon in einem weiteren Blogbeitrag bald mehr.

P.S Hier sind Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 und Teil 5 meiner fünfwöchigen Reise durch Việt Nam!

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