Das Trampen.

Von Nikolassee wollten wir wieder los starten. Das ist einfach der beste Platz um Tramper mitzunehmen. Da standen wir nun mit noch ein paar anderen Tramper (zwei wollten sogar nach Kassel) und fragten uns wieso denn kein Auto kommt? Wieso fahren alle nur nach Berlin rein?

Tja das Problem war, dass die Autobahnauffahrt Richtung Süden (unsere Richtung) gesperrt war. Was blieb uns anderes übrig? Wir gingen erst einmal zu Simon’s Eltern, die dort ganz in der Nähe wohnten, machten uns im Internet schlau und fuhren schließlich südlich von Potsdam nach Micherndorf. Dort wurden wir auch prompt von einem LKW Fahrer mitgenommen. Das war ein rieeesiger LKW, einer  musste auf dem Bett sitzen und jedes Mal, wenn er links oder rechts ein wenig über die Spur kam, ertönte ein lautes Geräusch. Wir waren also mehr oder weniger auf der sicheren Seite. Die Zeit schien nicht zu vergehen. Er erzählte uns viel von den Tipps und Tricks eines Truckfahrers und ließ uns dann irgendwann vor Hannover hinaus. Von dort schafften wir es bis Osnabrück, wo der gute Patrick uns spät am Abend aufnahm und uns ein Schlafplatz bot. Es war schön ihn nach einem Jahr mal wieder zu sehen und nun zu wissen wie er so lebt in seiner neuen WG mit u.a. Friedemann, den ich sicher 3 Jahre nicht mehr gesehen hatte. Und was soll ich sagen? Osnabrück gefällt mir. Es hat eine echt süße Innenstadt und irgendwie strahlt es was schönes aus. Wird sicherlich nicht mein letzter Besuch dort gewesen sein.

Nächsten Tag gings dann relativ zügig nach Den Haag. Nein, stop. So ganz stimmt das ja auch nicht. Es ging zügig voran, nachdem (!) wir über 2 Stunden bei Osnabrück standen. Wir schrieben alles mögliche auf unser Schild, ja leider nur Schild, denn wir standen kurz vor der Autobahn, wo man zwar gut halten konnte, aber alle fuhren schnell an uns vorbei. Letztlich hat dann nur noch ein „A30“ geholfen uns ein Stück aus die Stadt hinaus zu bringen. Wir kamen dann gegen frühen Abend in Rotterdam an von dort es zwei Stationen bis Den Haag waren, da nahmen wir dann aber den Zug.

Das war die Hinfahrt. Hat noch jemand Lust die Rückfahrt zu hören? Die war etwas ungeplanter und vielleicht deswegen auch spannender. 

Also, los gings in Den Haag. Abends gegen acht beschlossen wir, dass wir nun doch nach Hause wollen (hatten kein Schlafplatz in Amsterdam und ja, alles schwierig 😉 ).

So standen wir gegen halb neun voller Zuversicht bei der Autoausfahrt mitten in der Stadt. Nahm uns einer mit?                                                 Klaaar nahm uns einer mit, wir standen ca. ne halbe Stunde und wir wurden von einem älteren Herr mitgenommen, der perfektes Englisch sprach (er lebte mal in England, von daher zählt das nicht. Aber die Niederländer können schon ganz gut englisch sprechen UND deutsch)

Da es echt spät war, schafften wir es nur bis nach Apeldoorn. Da saßen wir nun, raus gelassen am Bahnhof auf der Hoffnung, dass vielleicht noch ein Zug fuhr. Bis Osnabrück wären es 30€ pro Person. Die wir eigentlich nicht ausgeben wollten. Der nächste Zug fuhr eh erst um acht Uhr morgens und wie es sich herausstellte, hatte Patrick leider viel zu viel um die Ohren (der Arme hat diese Woche eine Klausur nach der anderen). Was blieb uns anderes übrig, als das beste aus der Situation zu machen? Genau, nichts. Also liefen wir fröhlich in die Innenstadt auf der Suche nach einem Hostel. Die Einwohner waren sich aber auch nicht so sicher, wo es eins geben soll (vielleicht gibt es ja auch keins?). Ein Taxifahrer meinte dann, es gäbe nur eins 4km entfernt und teuer. Also einigten wir uns darauf, dass wir die Nacht auch irgendwie überstehen werden und versuchen weiter zu trampen, wenn es wieder hell werden würde. Da saßen wir nun. In der Innenstadt, alle Menschen machten Party und begafften uns, als seien wir Außerirdische. Ich glaube, so oft kommen Hitch hiker nicht nach Apeldoorn. Erst aßen wir was, dann setzten wir uns in eine Bierbar (ich musste an mein Bruderherz denken, der hätte sich wahrscheinlich gefühlt wie im Schlaraffenland), ich trank mein Berliner Weiße (Sorry, aber mit purem Bier hab ichs nicht so – Schande über mein Haupt) und auch da wurden wir fröhlich begafft bis dann plötzlich einer sogar fragte, ob er sich zu uns setzen könnte.
Ja klar, kannst sogar mal streicheln :-), wir beißen nicht. Oder doch? Wuff!

Wie es sich heraus stellte, lebte der junge Mann noch bei Mutti und half uns aber den Weg zur Autobahn heraus zu finden und suchte uns mit seinem Smartphone (ja für irgendwas müssen die Dinger ja gut sein) die Busverbindung raus. Yeah, wir hatten also schon mal einen Plan. Wir mussten jedoch noch mal weiter ziehen, da die Bar um 2 schloß, letztlich war um 4 Uhr in allen Bars und Kneipen Schicht im Schacht.

Solange wir nicht draußen sein mussten, wo es langsam echt kalt wurde. Wir grübelten schon ein wenig und ich machte mir Sorgen, um die 3 Stunden (bis sieben, da fuhr der erste Bus), wo wir uns nicht in eine Bar zum Aufwärmen und Zeit abwarten setzen konnten.  Naja  so saßen wir am dritten Ort, tranken Tee, waren hundemüde und ich laß ein Buch zur Ablenkung (von Opa n Krimi, super gut).
Es ist nämlich so, dass der Simon super darin ist sich selbst zu beschäftigen. Er kann sich auch nur mit seinen Gedanken beschäftigen und ist zufrieden und daher war es für ihn überhaupt kein Problem, dass ich Buch las. Was ein toller Hecht, oke dazu wann anders mehr 😉

Also ich am lesen, kommt da so ein Mann, schon ein paar Bier intus, etwas grau um den Kopf, Bierbauch, auf mich zu und fragt mich, wieso ich denn bitte in einem Pub den ganzen Abend Buch lese?

Eigentlich nehme ich mir immer ein Buch mit und setze mich so in ne Kneipe. Ist doch völlig normal, das machen alle so in Deutschland. So oder so ähnlich hätte ich mal antworten sollen, aber aus mir kam natürlich nur die Wahrheit, was auch sonst? Hihi.

Wir haben keinen Schlafplatz, warten die Zeit ab.

Kurzerhand wurde uns von diesem Mann ein Schlafplatz angeboten. Wir überlegten kurz, naja gefährlicher, als in der Kälte erfrieren (bestimmt), war es dann auch nicht. Gut, dass unsere Eltern das nicht an dem Abend wussten, sondern jetzt lesen können, wo die „Kinder“ wieder heil zurück in Berlin sind.
Denn natürlich ist alles gut gegangen, er bot uns nachts um vier noch Bier oder n Apfelkuchen an, wir machten ihm klar, dass wir nur schlafen wollen und wir bekamen ein ganzes Zimmer (welches sein Arbeitszimmer mit zwei Matratzen drin war) und schnell fielen uns die Äuglein zu.

Morgens bekamen wir dann noch einen starken Espresso, was zu essen und er zeigte uns einen Stück den Weg, den wir aber auch schon im Internet heraus gefunden hatten, da wir sogar an seinen Computer durften.

Und auch so schafften wir es wieder nach Hause. Lernten noch viele interessante Menschen in jedem Alter kennen und waren dann doch ganz schön kaputt, aber glücklich. Halleluja, was ein geiles Abenteuer. Ich kanns jedem nur empfehlen. Ob da meine Oma auch mitmachen würde? 😉

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4 Kommentare zu „Das Trampen.

  1. Mich würde ja mal interessieren was diese Bar hatte, dass du meinst ich hätte mich da so wohl gefühlt 😉

    Aber ansonsten schöner Bericht und trampen klappt wie man sieht super und man trifft immer nette Leute, nicht nur in Neuseeland….

    Grüße
    dein Bruder

  2. ihr seid ja echt die tollsten abenteurer,ob ich das auch gemacht hätte,fragst du eule?na sicher doch in deinem alter und mit männlicher gegleitung.bericht war schön zu lesen, freue mich auf weitere.liebe grüße oma

  3. Na, da gabs eine rieeeesen Auswahl an diversen Bieren. Überall standen auch Biere und Bilder von Bieren. Sie war schön sehr gemütlich die Bar.

    Und ja Trampen klappt glücklicherweise in unseren Generation auch noch 😉

  4. An Oma: Ja das habe ich mir gedacht, dass du das auch gemacht hättest in meinem Alter. Aber ich fragte mich auch, ob du dies wohl auch in deinem Alter machen würdest oder wie die Leute reagieren würden, wenn eine junge Frau mit einer älteren Dame gemeinsam trampen möchte. Viele Küsschen!

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